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Soll die Türkei Mitglied der Europäischen Union werden? In einem Planspiel diskutieren Schülerinnen und Schüler derc Q1 Chancen und Risiken.
Der Türkeibeitritt zur Europäischen Union ist ein sehr kontroverses Thema. Zu dieser Erkenntnis kamen 43 Schülerinnen und Schüler der Grundkurse Sozialwissenschaften in der Q1. Sie nahmen nämlich an einem Planspiel zur Erweiterung der Europäischen Union teil und schlüpften dabei für zwei Tage in die Rolle eines politischen Entscheidungsträgers. Möglich gemacht wurde das Planspiel durch die Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, die derzeit die Planspielreihe „Die Türkei – der überflüssige oder überfällige Beitrittskandidat?“ an mehreren Schulen in Nordrhein-Westfalen durchführt. Die Spielleitung hatten Julia Thuneke und Theresa Brandl von der Regensburger Kommunikationsagentur Valentum. An beiden Spieltagen konnten die Schülerinnen und Schüler in ganz verschiedene Rollen schlüpfen. Als Mitglied der Europäischen Kommission, Abgeordneter des türkischen Parlaments, Regierungsmit-glied eines Mitgliedslandes im Allgemeinen Rat oder auch in der Rolle eines Interessenvertreters diskutierten sie verschiedene Standpunkte zum Thema „Passt die Türkei in die EU“? Am Ende des Tages sollte dabei eine gemeinsame Roadmap mit konkreten Maßnahmen entstehen. Leichter gesagt, als getan. Getreu dem Spruch: „Nur wer selbst für etwas brennt, kann in anderen ein Feu-er entfachen“, versuchte man sich gegenseitig von seinem eigenen Standpunkt zu überzeugen. Hanno Kreimer, der den Ministerpräsenten in der Türkei verkörperte, erzählt dazu: „Es war gut mal nicht nur die eigene Meinung zu vertreten, sondern die der Rolle zu übernehmen und darüber zu diskutieren. So konnte man mal über den Tellerrand hinausschauen." Die Tage waren gefüllt mit hitzigen Diskussionen und Debatten. Die verschiedenen Argumente wurden – wie auch im echten Leben – im Plenum ausgetauscht und abgewogen. Neben der Ausarbei-tung der gemeinsamen Position waren die intensive Debatte über den Vorschlag und das Erstellen von konkreten Bedingungen in den Beitrittsverhandlungen die zentralen Lernfelder. Als Highlight stand am Ende eine finale Abstimmung über die Annahme der erarbeiteten Roadmap. Besonderes Lob gebührte an diesem Tag den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden der Europäischen Institutionen und des türkischen Parlaments. Sie hatten die Aufgabe, die Debatten anzuleiten und die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen. „Man sieht mal wie schwierig es ist, eine gemeinsame Lösung zu finden, wenn so viele verschiedene Meinungen und Interessen zusammengewürfelt werden. Die Politiker tun mir wirklich leid. Das bringt einen dann schon zum Nachdenken“, so Valerie Fischer, die im türkischen Parlament die AKP vertreten hat. Die Leiterin des Forum Jugend und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, Kerstin Ott, freute sich, dass „die Schülerinnen und Schüler durch die Teilnahme an der Planspielreihe die Gelegen-heit wahrgenommen haben, die Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union auf eine so spannende Weise kennenzulernen. Durch das Planspiel wird ein komplexes Thema für alle Teilneh-menden direkt erfahrbar und aber auch das Politik machen selbst wird verständlich.“ Und wie ging’s aus? An den beiden Tagen gelang es den Schülern, sich auf umfassende Kriterien zu einigen, nach deren Erfüllung ein Beitritt der Türkei in das europäische Bündnis möglich werden kann. Insgesamt wurden sechs Kapitel für den EU-Beitritt der Türkei abgestimmt und vier von ihnen verabschiedet, die sich unter anderem mit dem Umgang der Türkei mit Menschenrechten und der Beilegung des Zypernkonflikts beschäftigen. Das Planspiel half den Schülerinnen und Schülern beim Verständnis politischer Diskussionen und Prozesse, wie Lukas Schönlau schildert: „Das Planspiel hat mir geholfen, einen besseren Überblick über den ganzen Beitrittsprozess zu bekommen. So kann man auch besser verstehen, dass das alles so lange dauert. Wenn wir sogar im Planspiel so lange brauchen, dann dauert das bestimmt in der Realität noch Jahre."