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Ein tolles Fest

 

Maximiliane Schenk und Leonie Schmitz, beide Jahrgangsstufe Q2, sind im Rahmen des Projekts "Wir dokumentieren die Festwoche für die Homepage" über das Schulfest am Samstag, 29. August 2015, gebummelt. Hier ihr Bericht:

Gute Laune und ein prallvolles Programm auf dem Höhepunkt des Schuljubiläums. Buntes Treiben empfängt die Besucher beim Betreten des Schulhofes am Samstag. Zahlreiche Stände, mit Plakaten, Girlanden und Luftballons geschmückt, erstrecken über das gesamte Schulgelände. Dank des guten Wetters herrscht draußen ausgelassene Stimmung.

Überall werden Spiele angeboten, die von allen Altersgruppen ausprobiert werden können. So können die ganz kleinen Besucher beispielsweise Sandburgen bauen oder sich schminken lassen, während die etwas größeren Gäste sich beim Torwandschießen oder Mühlenturnier beweisen können. Viele tolle Preise, die von Firmen aus der Umgebung gespendet wurden, lassen sich bei verschiedenen Glücksspielen wie Kronkorkenschätzen oder Glücksraddrehen erwerben.

Mit oder ohne Hilfe eines Schülers kann die Umgebung der Schule beim Geocaching erkundet werden. Auch hier werden die Routen in ihrer Schwierigkeit dem Alter der Teilnehmer angepasst.

Viele Ergebnisse der Projekte werden in Form von Ausstellungen präsentiert. So können die Ergebnisse der Projekt „Fotostories“ oder „Schule fotografieren und darstellen“ bewundert werden. Besonders stechen dabei die bunten und bearbeiteten Bilder heraus. Im Gegensatz dazu stehen die Schwarz-Weiß- Fotografien aus früherer Schulzeit. Gemeinsam mit alten Schulbüchern und Spielen zeigen sie den Wandel des Schulalltags.

Auch zukünftige Schüler sollen diesen erkennen können, weshalb um 14 Uhr unter den gespannten Blicken der Zuschauer die Zeitkapsel mit Berichten über die heutige Zeit verschlossen wird.

Mit Modellen vom Wattenmeer und Plakaten über Touristenattraktionen in Cuxhaven bereiten die Schüler der sechsten Klassen ihre Klassenfahrt dorthin vor.

Im Biologieraum können die Besucher ihren Geruchssinn bei einem Quiz zu verschiedenen pflanzlichen Aromastoffen testen. Darüber hinaus sind verschiedene Experimente zum Thema zu beobachten. Aber nicht nur die Biologie stellt ihre Projekte vor, sondern auch die Physiker erklären den Interessierten ihre Erkenntnisse.

Besonderes Interesse zeigen die Gäste des Schulfestes am Stand zur Flüchtlingshilfe. Deutlich wird dies an den zahlreichen Sach- und Geldspenden und der großen Menschenmenge vor dem Stand. Die Spenden gehen an den Verein „Erwitte hilft“. Dieses Projekt setzt auch in Zukunft auf Nachhaltigkeit, denn die übrig gebliebenen Pfandflaschen der Schüler werden in einem "Pfandraiser" gesammelt und der Ertrag ebenfalls gespendet. Doch auch andere Projekte setzen auf das Thema Nachhaltigkeit, wie zum Beispiel das Fairtrade-Projekt.

Ebenfalls großer Andrang herrscht bei den Sportprojekten. Hier können die Besucher ihre eigene Fitness testen oder selbst zu Baseballschläger greifen. Auch die Turnshow ist gut besucht. Die Turner zeigen ihr Können bei dem Bau von Pyramiden. Ihre Gelenkigkeit und Dynamik zeigen sie mit Spagat, Saltos, Schrauben und Flick-Flacks und versetzten das Publikum in großes Erstaunen.

Begeisterung beim Publikum löst ebenfalls die Aufführung des Chor-Projektes aus. Während immer mehr Gäste in die bereits gut gefüllte Aula strömen, stellen viele neue Sänger ihr Können unter Beweis. Mit Popmusik oder Liebesduetten stehen viele Solisten das erste Mal auf der großen Bühne, können aber trotz kurzer Probenzeit und Aufregung das Publikum für sich einnehmen. Großer Beifall belohnt schließlich die Sänger und Instrumentalisten. Auch Hunger leiden musste auf dem Schulfest niemand.

Von Tapas als Vorspeise über Gegrilltes als Hauptgericht bis zu Nachtischvariationen, wie Kuchen, Crepes aus Frankreich, Rocky Road Cake aus den USA oder Chilligummibärchen aus der Teufelsküche war für jeden etwas dabei. Die Zubereitung der verschiedenen Köstlichkeiten konnte live beobachtet werden. Der Durst kann am Getränkewagen oder bei alkoholfreien Cocktails gelöscht werden.

Insgesamt ist das Schulfest eine rundum gelungene Feier des Schuljubiläums passend zum Motto „Grau ist alle Theorie – bunte Vielfalt des Lernens: 150 Jahre SGE“.

[Zur Projetwoche und zum Schulfest gibt es auch Bildergalerien]

"Begeisterung wecken" - Festakt zum 150. Schul-Geburtstag

Worauf es wirklich in der Schule ankommt? Natürlich braucht sie eine gute Ausstattung, kleine Klassen, ein ausreichendes Budget. Doch ohne gutes Personal helfen auch die besten Rahmenbedingungen nichts. „Entscheidend sind die Lehrerinnen und Lehrer“, ist Professor Dr. Hans-Georg Kamann überzeugt. Neben ihrer fachlichen Kompetenz sind Respekt und Wertschätzung, Fürsorge und Vertrauen gegenüber den Schülerinnen und Schülern unverzichtbar, wenn junge Menschen bestmöglich auf die Herausforderungen der immer komplizierteren Welt vorbereitet werden sollen. Und Kamann illustriert die Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit mit Erinnerungen an prägende Pädagogen aus seiner Zeit am Städtischen Gymnasium Erwitte.

1987 hat er hier sein Abitur gemacht. Heute lebt und arbeitet der Jurist in Frankfurt/ Main. Er ist neben anderen Tätigkeiten Direktor des Centrums für Europarecht an der Universität Passau. Beim Festakt am Montag, 24. August, zum 150. Geburtstag unserer Schule hielt Kamann die Festrede bei der Feierstunde in der Aula.

Kinder und Jugendliche ermuntern, Neues zu versuchen, Begeisterung vermitteln und wenn’s mal nicht klappt: „Schwamm drüber!“ - Gerade in Zeiten der Digitalisierung, der Internationalisierung und der immer geringeren Halbwertzeit des Wissens seien solche Qualitäten zunehmend wichtiger. Die Schule habe schließlich die Aufgabe, Kinder und Jugendliche so vorzubereiten, dass sie sich in einer sich rasant ändernden Welt zurechtfinden.

Bevor Kamann seinen Blick in die Zukunft des Gymnasiums richtete, hatte Schulleiter Klaus Engler markante Stationen aus 150 Jahren Schulgeschichte Revue passieren lassen. Mit Zylinder und Gehrock im „Outfit“ eines Magisters längst versunkener Zeiten spannte er den Bogen von der Gründung der Rekoratschule im Jahre 1865 bis zu aktuellen Aufgaben, denen sich das SGE stellen muss. Engler nannte hier als aktuelle Beispiele die Inklusion behinderter Mädchen und Jungen und die Integration von Flüchtlingskindern.

Man habe , den neuen technischen Möglichkeiten Rechnung tragend, auf die Erstellung einer weiteren gedruckten Festschrift verzichtet, so Engler. Statt fortgeschriebene Schulhistorie auf Papier zu produzieren, steht die Schulgeschichte in Wort und Bild ab sofort auf dieser Homepage.

Zu Beginn der Feierstunde hatte Bürgermeister Peter Wessel die Verankerung des SGE in der Stadt unterstrichen: „Wir arbeiten gerne für die Schule.“ Wessel beklagte, dass auch die Gymnasien als „Versuchskaninchen für Ideologen“ herhalten müssten. Allerdings setze man vor Ort nicht auf Utopie, sondern auf konkrete Zusammenarbeit – zum Beispiel mit der heimischen Wirtschaft. Unterm Strich blickte Wessel zuversichtlich in die Zukunft unserer Schule: „Ich sehe keine Ermüdungserscheinungen beim Jubilar.“

Dieser Einschätzung folgten auch Schülersprecherin Helen Bielawa und Ulrike Ködding als Sprecherin der Elternpflegschaft. Das Leben und die Arbeit im Gymnasium seien in den vergangenen Jahren in vielfacher Hinsicht bunter geworden, stellte Helen Bielawa fest. Das Motto der Festwoche sei also richtig gewählt: “Grau ist alle Theorie – bunte Vielfalt des Lernens.“ Ulrike Ködding wünschte sich, dass auch in Zukunft Absolventen versichern können: „Ich bin hier gern zur Schule gegangen.“ 150 Jahre – ein Grund zum Feiern. „Es ist gut, dass es dich gibt“, sprach stellvertretender Schulleiter Klaus Grothe in seinem Schlusswort den Jubilar persönlich an.

Dass Musik am SGE eine besondere Rolle spielt und Schülerinnen und Schüler regelmäßig durch besonderes Talent auffallen, zeigten Maximiliane Schenk (Violoncello), Maristella Schulenberg (Klavier), Darius Schulte-Eversum (Klavier), Lucas Förster (Klavier und Gesang) und Carina Lüchtefeld (Gesang) sowie Julian Schulte-Eversum (Gitarre), die mit ihren Auftritten für das musikalische Rahmenprogramm des Festaktes sorgten. Als "Rausschmeißer" gab's ein Stück mit Mitklatsch-Qualitäten: "Aber bitte mit Sahne!" (huk)

[Zum Festakt gibt es auch eine neue Bildergalerie]

 

Hier die Rede von Schulleiter Oberstudiendirektor Klaus Engler im Wortlaut:

Liebe Gäste,

der Sinn dieser Rede besteht darin, uns in die Vergangenheit zu versetzen. Aber ich merke gerade, so geht das nicht. [Redner zieht sich alten Gehrock an und setzt Zylinder auf] Jetzt geht’s!

So oder ähnlich muss es sich im Sommer 1865 angefühlt haben, als Pfarrer Johann Ludwig Habbel gemeinsam mit Amtmann Schlünder die Vertreter der Gemeinde Erwitte über-zeugte, eine Rektoratschule einzurichten. Nach auch damals schon üblicher längerer Diskussion fasste der Rat am 7. Oktober dann den entsprechenden Entschluss. Dieser Ratsbeschluss wurde durch Verfügung der zuständigen Königlichen Regierung in Arnsberg am 12. Oktober 1865 genehmigt.

Bereits 14 Tage später, genauer gesagt am 24 Oktober wurde der Unterricht in zwei angemieteten Räumen, sinnvoller Weise einer bekannten Gastwirtschaft, an der Haupt-kreuzung gelegen, aufgenommen. Die Leitung der Schule übernahm der Pädagoge August Friedrich Butterweck, welcher dann auch selber unterrichtete, unterstützt durch Pfarrer Habbel und zwei Lehrer der ja vor Ort vorhandenen Volksschule.

Der von Butterweck aufgestellte und genehmigte Lektionsplan umfasste 33 Wochenstunden:

4 Std. Religion

4 Std. Deutsch

4 Std. Rechnen

5 Std. Latein

3 Std. Französisch

2 Std. Englisch

2 Std. Geschichte

2 Std. Geographie

2 Std. Naturgeschichte

2 Std. Schönschreiben

2 Std. Zeichnen

1 Std. Gesang

Im Jahre 1872 wurde die Einrichtung einer zweiten Lehrerstelle beschlossen, welche allerdings erst im Jahre 1902 besetzt wurde. Die Ausbildung in unserer Schule war dann auch sooo gut, dass die meisten Schüler beim Übergang auf ein Gymnasium eine Klasse überspringen konnten…

1913 beschloss die Erwitter Gemeindevertretung dann den Neubau eines Rektorat-Schulgebäudes an der Erwitter Straße. Der Bau ging zügig vonstatten. Bereits Ostern 1914 wurde der Unterricht dort aufgenommen. Die Schule hatte 4 Klassenräume und eine Wohnung für den Rektor. Die Kosten für den Neubau beliefen sich auf ca. 30 000 Reichsmark!

Bereits 1914 wurde die offensichtlich sehr erfolgreiche Rektoratschule in eine Mittelschule umgewandelt, nämlich in die „Höhere Knabenschule in Erwitte“. Inhaltlich orientierte sich diese Schule an den Lehrplänen anderer Schulen, so z.B. dem Realgymnasium in Lippstadt. Während des Ersten Weltkriegs und der Folgejahre war der Bestand der Schule wegen der hohen Unterhaltungskosten ernsthaft gefährdet.

In ihrer Sitzung vom 30. November 1918 befasste sich die Gemeindevertretung ernsthaft mit der Auflösung der Schule. Mittlerweile war ein erhebliches Defizit aufgelaufen. Im Rechnungsjahre 1919 bereitete der Unterhalt der Schule der damals leistungsschwachen Gemeinde eine unzumutbare Belastung, nämlich bis zu 80% des gesamten Steuersolls. Im November 1920 wurde dann auf Antrag der Gemeinde Erwitte vom Kreistag Lippstadt ein Zuschuss von 12 000 Reichsmark bewilligt.

Erst mit Gründung der Zementindustrie 1926-28 und der damit verbundenen finanziellen Konsolidierung der Kommune konnte diese Existenzkrise unserer Bildungseinrichtung überwunden werden…

Ostern 1940 wurde die Rektoratschule dann in eine höhere Lehranstalt umgewandelt, nämlich in die „Städtische Oberschule für Jungen und Mädchen“. Sie unterstand von nun an dem Schulkollegium in Münster. Das Abgangszeugnis der Oberschule Erwitte berechtigte somit zur Aufnahme in die Obertertia einer weiterführenden Schule - und das ohne Aufnahmeprüfung!

Durch den 2. Weltkrieg hatte das Schulgebäude zwar keine nennenswerten Schäden erlitten, doch musste es ab April 1945 auf Anordnung der Militärregierung als Russenlager zur Verfügung gestellt werden. Ab Mai 1945 wurden die leeren Räume - alles Mobiliar war vernichtet oder verschleppt - dann zur Unterbringung obdachloser Familien genutzt. Laut Verfügung der Landesregierung vom 2. September 1945 konnten höheren Schulen wieder eröffnet werden. Im Februar 1946 waren es hier in Erwitte 74 Schülerinnen und Schüler, welche in fast leeren Räumen mit knurrenden Mägen ihr Bildungsziel anstrebten.

Im Jahre 1949 wurde der Lehrplan eines humanistischen Gymnasium zu Gunsten eines neusprachlichen Gymnasiums aufgegeben. Von nun an gab es Englisch statt Latein als erste Fremdsprache. Nachdem die Stadtvertretung bereits 1954 beschlossen hatte, ihre Oberschule zu erhalten, fand 1956 eine gründliche Sanierung des Gebäudes statt: Kostenaufwand 70 000 DM.

Im Jahre 1957 setzte die erhoffte Aufwärtsentwicklung ein. 1960 beschloss die Stadt-vertretung einstimmig, die Schule von vier auf sechs Klassen zu erweitern. Durch Erlass vom Januar 1961 genehmigte das Kultusministerium dann einen Schulneubau, für welchen im September 1964 hier der Grundstein gelegt wurde. Zum 100jährigen Bestehen konnten Rat und Verwaltung der Stadt Erwitte der Schulgemeinde ihr neues Gebäude übergeben.

Bei stetig steigenden Anmeldezahlen wurde im Schuljahr 1972/73 das erste Abitur abgelegt: 14 Prüflinge machten somit das frühere Progymnasium zur Vollanstalt. Wie voll zeigte sich schon bald, denn bereits 1970 mussten vier weitere Klassenräume errichtet werden, 1973 naturwissenschaftliche Fachräume und 1975 weitere Klassenräume. Seit 1982 nutzt das Gymnasium für den differenzierten Oberstufen-Unterricht 4 bis 8 Räume der gegenüber liegenden Hauptschule. Formal liegt also seitdem ein Schulzentrum vor!

Zu Beginn der Sommerferien 2008 begann mit dem Abriss der alten Aula - sie war im Schuhkarton-Format gebaut worden - die letzte Neubauphase. Gott sei Dank hatte sich der Rat unseres Schulträgers für die großzügigere Variante eines Neubaus mit multifunktionaler Aula, Foyer mit Mensa-Küche und aufgestocktem Selbstlernzentrum mit großem Konferenzraum entschieden. Dieser Neubau wurde im Januar 2010 feierlich eingeweiht.

Wir alle wissen heute, dass die Situation im Hinblick auf die finanzielle Lage des Schulträgers einmalig war. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass uns die Schulzeitverkürzung von G9 auf G8 einen Schülerschwund von ca. 100 Individuen bescherte und wir nach einer Phase der Dreizügigkeit wieder bei vier Eingangsklassen gelandet sind, dass wir im Sommer 2013 unser Lehrerzimmer erweitert haben und in diesem Sommer die Westfassade des Gebäudes saniert wurde.

Mit Beginn dieses Schuljahres sind auch wir Inklusionsschule. Darüber hinaus haben wir von der zuständigen Schulaufsicht eine Stelle zur Integration von Ausländern zugewiesen bekommen. Wir unterrichten jetzt also auch Schüler, welche (noch) kein Wort Deutsch sprechen können. Die Zukunft wird zeigen, mit welchem Erfolg…

Ich möchte mich an dieser Stelle bei all denen bedanken, welche in der Vergangenheit mit grenzenlosem Engagement, unermüdlichem Fleiß und unerschrockenem Optimismus für die Entwicklung dieser unserer Schule gearbeitet, gestritten und manchmal auch gelitten haben. Vor allem bei meinen Vorgängern im Amt.

Wie man sieht, hat es sich gelohnt!

 

 Die Rede von Professor Dr. Hans-Georg Kamann im Wortlaut:

Das Erwitter Gymnasium gestern, heute und morgen – Relexionen aus der Sicht eines ehemaligen Schülers, heutigen Vaters und kritischen Bürgers

Festrede anläßlich des Festakts zum 150-jährigen Bestehen des Städtischen Gymnasiums Erwitte

von Prof. Dr. Hans-Georg Kamann

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Wessel, lieber Peter,

Sehr geehrter, lieber Herr Schulleiter Engler,

sehr geehrte ehemalige und aktuelle Lehrerinnen und Lehrer des Schulkollegiums,

sehr geehrte Damen und Herren Eltern,

liebe ehemalige und aktuelle Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Erwitte,

es ist wie vielen von Ihnen wissen nicht das erste Mal, dass ich heute hier in der – inzwischen neuen – Aula unseres Gymnasiums vor einem größeren Publikum stehe. Während meiner Schulzeit hier im Gymnasium 1978 und 1987 habe ich sicherlich ein Duzend mal hier auf der Bühne gestanden, ob in einem Theaterstück oder als Mitglied des Schulchors oder wie heute in einer Feierstunde. Das letzte Mal was es im Mai 1987. Wir haben in der Abiturfeier ein Stück der Beatles vorgetragen. Ich war immer ziemlich aufgeregt, damals ganz besonders, weil ich Klavier spielen musste, was nicht eine meiner Stärken war.

Und auch wenn ich inzwischen häufig vor Studenten in der Universität, im Gerichtssaal, vor Politikern in Parlamenten und Ausschüssen und anderem Publikum gesprochen habe, können Sie davon ausgehen, dass ich heute anlässlich dieses Festakts noch genauso aufgeregt bin wie damals vor 28 Jahren – und mich riesig freue, heute mit Ihnen 150 Jahre Gymnasium Erwitte zu feiern.

Ein kurzer persönlicher Rückblick

150 Jahre – unsere Schule hat eine lange Zeit und einige historische Epochen erfolgreich durchlebt. Stets war sie auch ein Spiegelbild der Zeit:

Gegründet wurde unsere Schule wie Sie wissen nicht als klassisches Gymnasium Humbold’scher Prägung, um Schüler auf ein Studium an einer Universität vorzubereiten. Sie wurde vielmehr auf Initiative Erwitter Bürger als eine sogenannte Rektoratsschule errichtet. Der ursprüngliche Zweck der Schule ist sehr anschaulich im Gründungsbeschluss des Erwitter Gemeinderats vom 7. Oktober 1965 niedergelegt. Ich zitiere:

„Damit die Einwohner der Gemeinde Erwitte Gelegenheit haben, ihren Söhnen (!) – damals noch nicht ihren Töchtern – eine den Anforderungen des gegenwärtigen bürgerlichen und gewerblichen Lebens entsprechende Ausbildung zu geben, wie dieselbe durch die Elementarschulen nicht zu erreichen ist, und zugleich Gelegenheit zu bieten, für eine weitergehende wissenschaftliche Ausbildung bei anderen Schulen einen guten Anfang zu machen, errichtet die politische Gemeinde Erwitte eine Rektoratsschule.“

Zu der Zeit, als mein Urgroßvater auf unsere Schule ging, war sie also eine mittelbildende, später sog. „höhere Knabenschule“ – vergleichbar etwa mit der heutigen Realschule – unter Leitung eines akademisch gebildeten katholischen Geistlichen, eines Rektors. Ziel war, Schüler auf einen bürgerlichen Beruf oder auf den Besuch der Sekunda des Geymnasiums vorzubereiten.

Nach dem ersten Weltkrieg, also zur Zeit als meine Großeltern zur Schule gingen, wurde aus der Höheren Knabenschule Erwitte wieder die alte Rektoratsschule – nun aber für Jungen und Mädchen. Am 26. April 1922 wurden die ersten 13 Mädchen in die Sexta aufgenommen.

Interessant war, dass es bereits in den Zwischenkriegsjahren wie später zu meiner Zeit und bis heute eine große Diskussion über den Umgang mit der Fremdsprachenausbildung gab.

- 1921 wurde in Anlehnung an das Lippstädter Reformgymnasium der erste Latein-freie Unterricht mit Französisch als erster Fremdsprache eingeführt,

- 1923 nach der Ruhrbesetzung durch Frankreich wurde Englisch erste Fremdsprache.

- 1927 kehrte man zum alten humanistischen Lehrplan zurück und führte Latein als erste Fremdsprache wieder ein.

Nach der Machtergreifung 1933 sind die totalitären Umgestaltungen des Hitler-Regimes auch an der Erwitter Rektoratsschule nicht vorbeigegangen. Im Jahre 1940 wurde sie in eine Städtische Oberschule mit den Klassen 1-4 umgewandelt und der letzte katholische Rektor in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.

Mein Vater gehörte dann 1947 zum zweiten Jahrgang der Schüler, die ab dem Februar 1946 nach dem Lehrplan eines humanistischen Gymnasiums auf der Oberschule ausgebildet wurden.

In die Schulzeit meiner Mutter fiel 1960 die Erweiterung der Schule zu einem sechsklassigen Progymnasium.

Ich selbst und meine Geschwister sind dann Schüler des zwischen 1970 und 1972 zur Vollanstalt ausgebauten „Städtischen neusprachlichen Gymnasiums Erwitte“ gewesen.

Anspruch und Wirklichkeit des Gymnasiums

Was hat nun dieses Gymnasium in Erwitte ausgemacht? Was macht es heute aus und was sollte es künftig ausmachen? Ich möchte diese Grundfrage über Anspruch und Wirklichkeit unseres Gymnasiums aus drei Perspektiven betrachten:

- aus der des ehemaligen Schülers

- aus der des heutigen Vaters von drei Jungen, von denen der erste in zwei Wochen eingeschult wird,

- und aus der Sicht eines politisch interessierten Bürgers.

Die Sicht des ehemaligen Schülers

Beginnen möchte ich mit der Sicht des ehemaligen Schülers. Was hat mir das Erwitter Gymnasium und seine Lehrerinnen und Lehrer während meiner Schulzeit mit auf den späteren Lebensweg gegeben?Was ist mir im Rückblick als prägend in Erinnerung geblieben?

Erstens bin ich sehr dankbar und glücklich, dass mich die Schule mit einem Grundrüstzeug an sprachlichen, mathematischen sowie geistes- und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten ausgestattet hat, von denen ich in meinem anschließenden Wirtschafts- und Jura-Studium und in meinem Beruf als Rechtsanwalt bis heute profitiere.

Eine Schule, in der allein das „Pauken“ den Unterricht bestimmt, ist antiquiert. Dennoch gehörte damals und sollte auch heute das disziplinierte Erlernen und Trainieren geistiger Grundfertigkeiten zu einem der Grundbestandteile gymnasialen Alltags gehören. Einige von Ihnen mögen nun schmunzeln, andere werden mich völlig verstehen:

- ich habe den – sicherlich eher strengen – Deutsch-Unterricht bei Herrn Dr. Helmut Linden, meinem ersten Lehrer hier an der Schule, vielleicht nicht genossen – das wäre übertrieben. Aber ich hatte sehr gerne Deutsch. Ich erinnere mich gerne an den Grammatikunterricht und habe – zumindest manche – Gedichte mit Freude auswendig gelernt. Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland ist immer mein Freund geblieben. Wenn ich heute manchmal Schreiben oder Schriftsätze von Kollegen lese – von Emailnachrichten ganz zu schweigen – bin ich sehr dankbar dafür, bei Herrn Dr. Linden Deutsch gelernt haben zu dürfen.

- ich hatte auch gerne Mathematik, zuerst bei Albert Voß und später bei Roswita Teves, und hatte – wenn auch nicht immer uneingeschränkten – Spaß am Vokabellernen und Deklinieren des Ablativ im Lateinunterricht bei Herrn Voß. Ich glaube, dass dieser Unterricht grundlegend war für meinen späteren Berufsweg als Jurist. Wenn sich junge Kolleginnen und Kollegen als Anwälte bei uns bewerben, schaue ich bis heute sehr interessiert insbesondere auf Ihre Mathematiknoten.

- einer meiner Lehrerinnen muss ich heute Abbitte leisten – Frau Potthoff. Was hat sich diese diese stets freundliche, aber resolute – und schon damals ältere – Dame bemüht, mir die französische Sprache beizubringen. Ich bin trotz ihres großen Engagements an dieser Sprache weitgehend gescheitert und habe sie auch später im Studium und während meiner Jahre in Brüssel nicht mehr richtig gelernt. Ich habe immer darauf geschielt, in die Europäische Kommission oder zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zu gehen. Ich habe mich nie beworben, weil ich kein Französisch konnte.Tant pis, wie Frau Potthoff gesagt hätte.

Zweitens bin ich überzeugt, dass der Unterricht einiger Lehrer wesentlich dazu beigetragen haben, dass ich nicht wie der Rest meiner Familie Tier- oder sonst ein Mediziner oder Pharmazeut geworden bin, sondern

- Jurist mit einem großen Interesse an der Wirtschaft, Geschichte, Politik und ein überzeugter Verfechter der Europäischen Einigung und

- jemand, der diesem Beruf mit anhaltend großer Neugierde an der intellektuellen Herausforderung ausübt.

Der erste, der mich dazu gebracht hat, nicht nur ein, sondern gleich mehrere Bücher zu einem Thema freiwillig neben dem Unterricht zu lesen, war mein zweiter Schulleiter-Lehrer Dr. Horst Steur. Ob die Hintergründe der Industrialisierung, die Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik oder die Adenauer’sche Westbindung nach dem zweiten Weltkrieg. Ich kann mich an keinen Unterricht erinnern, in dem sich die Sekundärliteratur bei uns zu Hause so angehäuft hat, wie im Geschichtsunterricht.

Und Herr Dr. Steur war auch der erste, der mich und – ich glaube sieben – andere Jungs des Geschichts-Leistungskurses animiert hat, mit einer Geschichtsarbeit an einem Wettbewerb teilzunehmen. „Erwitte – die viergeteilte Stadt – Auswirkungen des Straßenbaus und -verkehrs auf Umwelt und Bevölkerung“ war der Titel der Arbeit. Wir sind auf dem Jahrgangsausflug nach Münster anstatt in den Zoo ins Westfälische Landesarchiv gegangen und haben alte Akten studiert. Wir konnten sie kaum lesen – daher sind wir schnell anschließend in die nächste Kneipe gezogen. Wir haben Lärmmessungen an der B55 und B1 vorgenommen und die Diskussion um die Umgehungstrasse nachvollzogen. Und wir haben uns bei einem Schüler, Heiner Rinsche, getroffen, der damals als einer der ersten einen eigenen Computer hatte, und dort die Arbeit niedergeschrieben, von der Überschrift bis zur kleinsten Fußnote. Herausgekommen ist sicherlich kein Meisterstück. Aber wir waren stolz auf unser Werk. Bis heute erinnert mich dieses großartige Projekt daran, dass man in einer Gruppe – durchaus unterschiedlich veranlagter – Mithelfer weitaus kreativer und produktiver sein und insgesamt mehr leisten kann, als allein. Jeden Schriftsatz und juristischen Beitrag, den ich heute schreibe, schreibe ich mit mindestens einem, meistens mehreren Kollegen gemeinsam.

Und dann war da noch der Wiso-Unterricht (Wirtschaft – Politik und Soziales) bei Friedrich Moos. Was bin ich dankbar dafür, mit welcher Energie uns Herr Moos die Grundlagen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der sozialen Mitbestimmung und das magische Viereck der Ziele der Wirtschaftspolitik nahegebracht hat.

Er wird sich sicherlich nicht mehr an meine mündliche Abiturprüfung erinnern, aber ich: ich sollte den Zusammenhang und die Folgen einer Auf bzw. Abwertung de D-Mark im Europäischen Währungssystem erklären. Ich habe eine komplett falsche Grafik an die Tafel geschrieben. Nach komischen Blicken von Herrn Dr. Linden und Herrn Moos habe ich nach einigen Minuten meinen Fehler erkannt. Ich war kurz entsetzt, habe dann den Schwamm genommen, alles weggeputzt und durfte noch mal von vorne angefangen. Die Prüfung war fast noch sehr gut. Ich habe nach dieser Prüfung nie vergessen: Fehler sind sehr ärgerlich, aber kein Unglück. Man darf sich von Ihnen nie entmutigen lassen, sondern kann sie in dem meisten Fällen korrigieren. Es galt und gilt: Schwamm drüber im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein dritter und letzter zentraler Punkt, den ich aus diesem Gymnasium mitgenommen habe: ich habe gelernt, dass man alles, was man tut, mit großer Begeisteruung und Leidenschaft tun sollte. Nur so kann man ein Vorbild sein für andere – nicht nur als Lehrer für seine Schüler, sondern auch darüber hinaus.

Viele Lehrer, die mich unterrichtet haben, haben mir diese Begeisterung vermittelt. Stellvertretend genannt seien die Kollegen, die mich zuletzt in der Oberstufe maßgeblich begleitet haben, Gregor Kemper, Franz-Josef Wiedenbrück und insbesondere unser Jahrgangslehrer Volker Lehmann. Ich hatte stets den Eindruck, dass dass sie Spaß daran hatten, uns deutsche und englische Literatur, Mathematik und damals erstmals auch Informatik nahezubringen, dass wir durch kritisches Hinterfragen durch die Oberfläche in die Tiefe vordringen und neue Erkenntnisse mit nach Hause nehmen. Diese Einstellung hat mich bis heute auch in meiner Tätigkeit geprägt.

Die Sicht des heutigen Vaters

Meine Damen und Herren, seit meiner Zeit als Schüler in diesem Gymnasium sind 28 Jahre vergangen. Die Welt ist heute eine andere. Deshalb aus der Sicht des heutigen Vaters von drei bald schulpflichtigen Jungen drei kurze Gedanken zu den – neuen – Ansprüchen an die Schule und speziell das Gymnasium von heute.

Erstens: unsere Welt ist internationaler geworden. Dies beschränkt sich nicht nur auf die Wirtschaft, sondern erfasst inzwischen sämtliche unserer Lebensbereiche – die aktuelle Flüchtlingskrise ist sicherlich erst der Anfang größerer internationaler gesellschaftlicher Umwälzungen. Diese Entwicklung muss sich auch in der Wirklichkeit des Gymnasiums wiederspiegeln, und zwar nicht nur in den großen internationalen Zentren wie Frankfurt, wo ich lebe, sondern auch hier in Erwitte.

Hierzu gehört in erster Linie das Erlernen von Fremdsprachen, insbesondere Englisch. Dies war schon zu meiner Zeit wichtig. Dennoch waren die Schüler, die für längere Zeit ins Ausland gingen, noch wahre Exoten. Ich habe leider nie an einem internationalen Schüleraustausch teilgenommen. Heute ist für unsere Kinder ein solcher Austausch, ob über kürzere oder längere Zeit, noch ungleich bedeutsamer geworden. Und dies gilt nicht nur der Sprache wegen – Englisch gehört wie gesagt heute zur Grundanforderung eines jeden studierten Berufsanfängers. Genauso wichtig ist die Fähigkeit, sich mit fremden Kulturen auseinanderzusetzen. Nur wenn unsere Kinder noch besser lernen, andere Werte und Weltanschauungen wertzuschätzen, können sie sich in unserer globalisierten Welt zurechtfinden und auf diesen Werten gemeinsam aufbauen.

Zweitens: unsere Welt ist digitaler und komplexer geworden. Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Heute ist eine unübersehbare Informationsflut weitgehend uneingeschränkt verfügbar.

Je mehr Wissen zur Verfügung steht, desto wichtiger ist die Fähigkeit, dieses Wissen zu finden und sinnvoll zu nutzen und kritisch zu hinterfragen. Früher schauten wir Schüler bei Fragen zunächst in ein Lexikon. Was dort stand war – weitgehend – verlässlich. Heute tippen wir den Suchbegriff in Google ein. Heraus kommen 350.000 Antworten. Die zentrale Fähigkeit unserer Kinder besteht darin, diese Flut von Informationen richtig zu filtern, auf Widersprüche hin zu prüfen und richtig einzuordnen.

Je mehr der Umfang an Wissen zunimmt, je wichtiger wird, die Komplexität nicht nur zu verstehen, sondern auch für Menschen anderer Fachrichtungen verständlich zu machen. Fächerübergreifendes und kooperatives Lernen, soziale Intelligenz und emotionale Sicherheit werden daher noch wichtiger als bisher.

Drittens: unsere Welt ändert sich derzeit in einer rasanten Geschwindigkeit. Schnelligkeit und Innovation sind prägend für unser Wirtschafts- und gesellschaftliches Leben.

Früher wurde in der Schule und im anschließenden Studium ein Wissen vermittelt, dass für ein Arbeitsleben ausreichte. Moderne Schulen müssen heute Schülern helfen, sich in einer immer schneller verändernden Welt zurechtzufinden, sich auf Berufe vorzubereiten, die wir heute noch nicht kennen, Technologien zu nutzen, die erst morgen erfunden werden, und strategische Herausforderungen zu bewältigen, von denen wir heute noch nicht wissen, dass es sie gibt.

Prof. Dr. Andreas Schleicher, Abteilungsleiter im Direktorat Bildung im Sekretariat der OECD, hat die hieraus folgenden neuen Anforderungen an das Gymnasium auf dem Schulleiterkongress 2014 wie folgt zusammengefasst.

„Bildung hat daher die Aufgabe, Denkwege zu bereiten, Kreativität, kritisches Denken, Problemlösungen und Entscheidungsfindung zu ermöglichen; Arbeitsweisen herauszubilden, die Kommunikation und Kooperation beinhalten, aber auch Techniken zu entwickeln, die die Fähigkeit einschließen, neue Technologien zu entdecken und zu nutzen – und nicht zuletzt Fähigkeiten zu fördern, in einer facettenreichen Welt als aktive und verantwortungsvolle Bürger zu leben.“

Die Sicht des kritischen Bürgers

Wenn dies die gewachsenen Ansprüche des Gymnasiums heute sind, stellt sich zuletzt – aus der Sicht des kritischen Bürgers – die Frage, welche Mittel das Gymnasium benötigt, um diesen höheren Anforderungen gerecht zu werden. Auch hierzu drei kurze Gedanken.

Erstens, nicht überraschend, ist wichtig, dass der Staat die richtigen materiellen Rahmenbedingungen für ein gedeihliches Schulwesen setzt. Dazu gehört in erster Linie eine gut ausgestattete Schulinfrastruktur – heute leider beleibe keine Selbstverständlichkeit.

„Was immer war, das reicht nicht mehr. Mit dem Gewohnten, dem Althergebrachen, den Traditionen lässt sich die Zukunft nicht bestehen. Die Welt erfindet sich neu, die alten Gewissheiten blamieren sich in dieser veränderten Wirklichkeit, es braucht anderes Rüstzeug. Und wie bekommt man das? Nur durch massive Investitionen in Bildung.“

Diese Gedanken sind nicht neu. Sie stammen von Wilhelm von Humboldt, dem Gründungsvater des modernen humanistischen Gymnasiums. Sie haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.

Die Stadt Erwitte ist mit ihrem Einsatz zur Sicherstellung einer guten Schulinfrastruktur in all den Jahren des Bestehens des Gymnasiums stets ein Vorbild gewesen.

Zweitens: ein gutes und erfolgreiches Schulwesen braucht Eltern, die ihre Kinder und deren Lehrer aktiv, konstruktiv, aber auch kritisch begleiten. Desinteressierte und untätige Eltern sind genauso schlimm wie die ängstlichen und überfördernden sogenannten Helikopter-Eltern.

Was, wenn mein Kind schlecht in der Schule ist? Am Ende kein Abitur macht? Was, wenn es im Internet oder in der Pubertät an falsche Freunde gerät und Komasaufen zu seinem Hobby macht? Zunehmend viele Eltern verfahren nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und lieber einmal mehr als zu wenig fördern. Am Ende aber ist es bei dem Kind wie mit einer Pflanze. Wird sie überdüngt, blüht sie nicht, sondern lässt die Blätter hängen. Sie braucht Platz und Licht – wie ich bei Herrn Dr. Vierhaus gelernt habe. Heute müssen wir Eltern mehr denn je begreifen, dass nicht wir uns durch unsere Kinder verwirklichen sollten, sondern unsere Kinder mit unserem Vertrauen und unserer Hilfe zu eigenständigen und verantwortlichen Personen heranwachsen sollen.

Drittens: der entscheidende Aspekt für den künftigen Erfolg des Gymnasiums ist jedoch ein ganz anderer. Ich habe es eben bereits zum Ausdruck gebracht. Gute Rahmenbedinungen und intelligente Lehrpläne sind wichtig, kleine Klassen erstrebenswert, ein moderner offener Unterricht ein sicherlich interessantes Konzept, eine aktive Elternschaft hilfreich. Entscheidend aber ist: Die Lehrerin, der Lehrer. Nach meinen Erfahrungen in unserer Schulde glaube ich fest an die zentrale Bedeutung des guten Lehrers.

In der Vorbereitung auf die heutige Rede bin ich auf eine Arbeit von John Hattie, einem der aktuell weltweit wohl einflussreichsten Bildungsforscher gestoßen. Hattie hat 2008 in einer empirischen Metastudie, in die mehr als 50.000 Einzeluntersuchungen mit 250 Millionen beteiligten Schülern eingeflossen sind, die Einflussfaktoren der verschiedenen Unterrichtsmethoden und Lernbedingungen ermittelt. Seine Erkenntnisse sind verblüffend: Nicht die äußeren Strukturen von Schule und Unterricht sind für den Lernerfolg entscheidend – auf den guten Lehrer kommt es an – „the Great Teacher“ – oder „The Captain“, wie Sie ihn aus dem Film “Der Club der toten Dichter“ kennen.

- Nach Hattie beginnt dies mit einer stringenten Klassenführung (»classroom management«). Ein guter Lehrer muss rasch erkennen, wann er auf eine Störung mit Strenge und wann mit Humor reagiert.

- Noch höher auf der Hattie-Skala rangiert die »teacher clarity«. Viele von Ihnen werden zustimmen. Es gab und gibt nichts Demotivierendes, wenn Schüler nicht verstehen, was der Lehrer von ihnen will.

- Hattie propagiert schließlich eine Kultur des »Feedbacks« – nicht Lob und Strafe überhaupt nicht. Wesentlich ist die neutrale, individuelle und damit motivierende Leistungsrückmeldung. Falsche Antworten der Schüler sind geradezu willkommen. Fehler sind zentrale Treiber allen Lernens (»the essence of learning«). Auch das werden die meisten von Ihnen bestätigen.

Entscheidend ist damit nicht die äußere, sondern die emotionale Seite des Lernens. Ohne Respekt und Wertschätzung, Fürsorge und Vertrauen kann Unterricht nicht gelingen. Der Hauptverantwortliche dafür sind der Lehrer und die Lehrerin. Sie, meine Damen und Herren Lehrer, entscheiden darüber, ob diese Schule besser wird.

Schlußwort

Meine Damen und Herren, zum Schluss meines Vortrags möchte ich nochmals zurückkommen auf den Ursprungsgedanken des humanistischen Gymnasiums wie ihn Wilhelm von Humbold sich vorgestellt hat.

- Humboldt wollte dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Stand, die gleiche Schulbildung genießen, auf dass sie die Fähigkeiten entfalten, die in jedem Menschen stecken: Humanität, Sittlichkeit und Vernunft.

- Sein Grundanliegen war die Bildung zum selbstverantwortlichen, souveränen Menschen, die Bildung von Herz, Geist und Persönlichkeit.

Ich meine, dass unser Städtisches Gymnasium hier in Erwitte diesem heren Ziel und Anspruch seit seiner Gründung im Jahr 1865 über die vielen Jahre seines Bestehens durchweg gerecht geworden ist. Ich gratuliere daher Ihnen, Herr Engler, mitsamt Ihrem Kollegium sowie allen Eltern und Schülern zum stolzen 150sten Geburtstag.

Das Städtische Gymnasium Erwitte, es lebe ad multos annos!

Vielen Dank!